In guter Absicht wird zum Wassersparen aufgerufen.

Was die Autoren, was niemand ahnt: dem Klimaschutz wird mit solchen Aufrufen ein Bärendienst erwiesen.

Es ist im Grunde ein einfacher Zusammenhang: je mehr Wasser „gespart“ wird, desto mehr verkeimen die Trinkwassernetze infolge von Stagnation. Das gilt insbesondere für die Abschnitte von Trinkwassernetzen, in denen das Sparen am schnellsten zur mikrobiellen Verunreinigung führt: in den Wohnungen.

Dort aber werden regelmäßig Wasserproben gezogen. Die Trinkwasserverordnung fordert an der „Zapfstelle“ einwandfreies Trinkwasser. Seit 2019 verdoppelt sich die Zahl der Liegenschaften, in denen Legionellen im Trinkwasser nachgewiesen wurde. Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Uns liegen bestürzende Ergebnisse aus einer Vielzahl von Routine-Probenzügen vor. Fast jeden Tag werden wir von Liegenschaftsverwaltungen um Hilfestellung gebeten.

Denn: neben Warmwasser rückt immer mehr das Kaltwasser in den Fokus der Überwachungsbehörden. Das hat einerseits mit Veränderungen der Laboranalytik zu tun, andererseits mit katastrophalen Auswirkungen durch Fehlkonstruktionen der Trinkwassertechnik, die durch „Spar“verhalten der Nutzer noch verstärkt werden.

Diese Entwicklung trifft auf den Klimaschutz.

Politik und Industrie sieht große Potenziale für mehr Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien im Gebäudebestand. Aktuelle Anpassungen von Förderbedingungen sollen eine deutliche Erhöhung der energetischen Sanierungsrate und den energieeffizienten Betrieb der installierten Gebäudetechnik herbeiführen. Ziel ist es so schnell wie möglichen einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.

Doch: nur wenige Politiker, Planer, Fachleute der Energietechnik und Wohnungswirtschaft nehmen die Veröffentlichung des Umweltbundesamtes vom 18.12.2020 zur Kenntnis.

Danach wird sichere Trinkwasserhygiene vor Energieeffizienz gestellt. Daran geht kein Weg vorbei. 

Sichere Trinkwassertechnik wird mit den heute geltenden allgemein anerkannten Regeln der Technik nur mit hohen Systemtemperaturen erreicht. Die Behandlung von Kaltwasserverkeimungen ist nur mit sehr aufwändigen Methoden für machbar, die allerdings nur wenige Monate wirken. Wenn Wasser „gespart“ wird, verkeimen Leitungsnetze um so schneller wieder.

Mit regenerativer Wärmeversorgung ist es dann vorbei. Der wirtschaftliche Einsatz von Wärmepumpen, Solarthermie oder die Einbindung von Niedertemperaturquellen in Wärmenetze gelingt nur mit mikrobiell unbedenklichen  Trinkwassernetzen bei niedrigen Systemtemperaturen.

Sichere Trinkwasserhygiene ist das Gebot der Stunde.

Selbstverständlich muss Wasser „gespart“ werden. Es aber darf nicht sein, dass das Land wegen mikrobiologischem Aufwuchs im Lebensmittel Nr. 1 (Trinkwasser) in Bezug auf Klimaschutz und CO2-Reduktion vor die Wand fährt.

Es bedarf zur Lösung des Problems technischer Innovationen in Kombination mit angepasstem Verhalten von Nutzern.

Wir setzen uns für Lösungen ein, bringen Expertenwissen zusammen, sind aktiv in Forschungs- und Entwicklungsprojekten und entwickeln „unsere “ EXERGENE-Technologie immer weiter. Das ist das was wir leisten können und wollen. Sprechen Sie uns an, falls Sie weitere Informationen wünschen. 

Horst Pramor, Norbert Puls * Juni 2021